Mittwoch, 6. Januar 2010

Epochen: Klassik

Klassik (1786-1832)

Das so genannte Goethezeitalter.
Im Zeichen des deutschen Idealismus, mit Verbindungen zum Sturm und Drang sowie zur Romantik. Die Dichtkunst folgt bestimmten Gesetzlichkeiten der Form (z.B. in der Lyrik, im Drama und in Romanen). Im Vordergrund steht die Schaffung des Guten und Schönen im Menschen und im Gedankengut. Es ist das Zeitalter der Humanität, mit einer Übereinstimmung von Gemüt und Verstand.

Der Kulturbegriff stand über dem Staatsbegriff (Politik interessierte nicht ganz so wie die Kunst
selber, bezogen auf die Philosophen und Poeten dieser Zeit). Es kommt zu einer Schaffung neuer Ideale: der Mensch steht im Mittelpunkt und orientiert sich an dem Wahren und einer Selbstverwirklichung, ohne einer anständigen Frömmigkeit zu entsagen.

Im Gegensatz zum Sturm und Drang (Geniezeit) steht die Ethik und Moral im Sinne einer
humanistischen Anständigkeit im Vordergrund.

Begriff
Das Wort klassisch stammt vom lateinischen classicus mit dem man Angehörige der höchsten Steuerklasse bezeichnete. In der Bedeutung erstrangig wurde dieses Wort bald auf andere Bereiche übertragen. Heute meint man mit klassisch etwas zeitlos gültiges, überragendes und vorbildhaftes. Im schöpferischen Sinne bedeutet es die Orientierung an antiken Stil- und Formmustern. Mit Klassik verbindet man allgemein die Epoche des kulturellen Höhepunktes eines Landes. In Deutschland spricht man speziell von der Weimarer Klassik, da in Weimar der Höhepunkt im Schaffensprozeß Goethes und Schillers lag. Das Jahr 1786 sieht man mit Goethes Italienreise als den Beginn der Epoche an, das Ende 1832, mit dem Tod Goethes.

Historischer Hintergrund
Im Jahre 1789 fand die große Französische Revolution statt. Es kommt zum Zusammentreten der Generalstände. Der Dritte Stand wählt eine Nationalversammlung. Am 14. Juli 1789 wird die Bastille gestürmt. Einen guten Monat später werden die Menschen- und Bürgerrechte erklärt. 1791 unternimmt Ludwig XVI. einen Fluchtversuch. 1792 wird die königliche Familie festgesetzt. Die Herrschaft der Jakobiner bricht an und gleichzeitig auch die Zeit des Terrors. Die Hinrichtung Ludwigs XVI. durch die Guillotine löst Empörung und Bestürzung zugleich in fast allen anderen europäischen Nationen aus. Die Monarchie in Frankreich wird durch die Schreckensherrschaft Robespierres abgelöst. Terrorgesetze, Todesurteile und zahllose Todesvollstreckungen prägen die Jahre 1793 und 1794, bis 1794 Robespierre gestürzt wurde. Zwischen 1795 und 1799 ist in Frankreich eine Direktorialregierung eingesetzt.
Durch einen Staatsstreich gelangt Napoleon Bonaparte 1799 an die Macht in Frankreich, er wird zum ersten Konsul. 1804 wird Napoleon zum französischen Kaiser. Das bürgerliche Gesetzbuch, der Code civil, wird zum Vorbild für die juristische Entwicklung in allen europäischen Nationen. In der Schlacht von Austerlitz 1805 besiegt Napoleon die österreichischen und russischen Truppen. 1806 wird mit der Errichtung einer Kontinentalsperre zur Ausgrenzung Englands begonnen. Im selben Jahr kommt es auch zur Gründung des Rheinbundes, der Schutzherrschaft Napoleons über die rheinischen Staaten, und zur Auflösung des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation. In den Schlachten bei Jena und Auerstedt werden die preußischen Truppen 1806 vernichtend geschlagen.
Zwischen 1807 und 1814 werden in Preußen wichtige Reformen vollzogen, die einen großen Einfluß auf die Gesellschaft hatten: Bauernbefreiung, Selbstverwaltung der Städte, Gewerbefreiheit, Judenemanzipation, Bildungsreform und Heeresreform.
1812 zieht Napoleon gegen Russland in den Krieg. Da der erhoffte Sieg ausbleibt, tritt er den Rückzug an. 1813 setzen die Befreiungskriege gegen Frankreich ein. Mit der Völkerschlacht bei Leipzig 1813 wurde den französischen Truppen ein vernichtender Schlag zuversetzt. In der Schlacht bei Waterloo 1815 wird Napoleon endgültig besiegt.
1815 regelt der Wiener Kongress die Neuordnung Europas. Es kommt zur Gründung der Heiligen Allianz, zwischen Russland, Österreich und Preußen, und der Gründung des Deutschen Bundes. Damit wird das europäische Gleichgewicht wieder hergestellt und eine langfristige Sicherung des Friedens gewahrt. Die Prinzipien der Neuordnung Europas, wie Restauration, Legitimität und Solidarität, bestimmen die nächsten Jahrzehnte in Deutschland.

Auseinandersetzung mit der Französischen Revolution
Nicht durch einen gewaltsamen Umsturz (Französische Revolution), sondern durch eine evolutionäre Fortentwicklung (langsame Höherentwicklung) der Gesellschaft gelange man zu dem Ziel des Vernunftstaates.
Die Klassik stellt der Unruhe der Zeit das Programm der ästhetischen Erziehung gegenüber: Die Menschen sollen durch Kunst und Literatur zu Humanität erzogen und dadurch reif für gesellschaftliche Veränderungen werden.
Das Erziehungsideal ist die „schöne Seele“, d.h. der Mensch, dessen Handeln, Pflicht und Neigung in Übereinstimmung sind (Ideal eines ruhigen, abgeklärten, in sich selbst ruhenden Menschen).

Philosophischer Hintergrund
Wichtig für die Herausbildung des Idealismus war die Philosophie Immanuel Kants. In seiner Kritik der reinen Vernunft (1781-87) untersuchte er die Erkenntnisfähigkeit des Menschen. In der Kritik der praktischen Vernunft (1788) versucht er Gründe für das sittliche Handeln zu finden, das nicht nur auf Konventionen und Geboten beruhen kann, sondern aus einem sittlichen Willen resultiert. In der Kritik der Urteilskraft (1790) beschäftig sich Kant auch mit der Ästhetik. Schöne Kunst ist für ihn Kunst eines Genies, denn sie ist exemplarisch.

Literatur der Klassik
Die Dichtung der Klassik war sehr vom Idealismus geprägt. Sie zielte auf eine geschlossene Form, auf Vollendung, auf Humanität, auf Sittlichkeit und auf Harmonie. In Schillers Briefen über die ästhetische Erziehung des Menschen (1795) forderte er eine Wahrnehmung der Kunst, die auch die Gesellschaft befördert. Durch die ästhetische Erziehung wurde die Natur durch die Kunst überwunden, die aber wieder Natur ist, um Harmonie zu erreichen. Ziel der klassischen Dichtung war nicht Abbildung oder Nachahmung der Natur, sondern das Wesen der Dinge zu erfassen.

Streben nach Harmonie und Humanität
Zu den wichtigsten Motiven der Weimarer Klassik gehören unter anderem Menschlichkeit und Toleranz. Die wichtigste Gattung ist das Drama, wobei Lyrik und Epik nebensächlich bleiben. Typisch war eine wohlgestaltete Sprache.
Die Weimarer Klassik hat ihren Namen durch die Orientierung hin zur Antike erhalten, die sich - vor allem bei Goethe - in der Form seiner Werke widerspiegelt. Daher bezeichnet der Begriff nicht eine vorbildliche Epoche, sondern eine Epoche, die eine andere zum Vorbild genommen hat.
Die literaturhistorisch korrekte Bezeichnung wäre also Weimarer Klassizismus. Obwohl von einigen Germanisten gefordert, hat sich der richtige Begriff über die Fachkreise hinaus nicht durchgesetzt.

Klassikverständnis
Das Klassikverständnis ging auf die Betrachtung antiker Bildkunst zurück. Von ihr wurde z.B. durch Winkelmann abgeleitet, was das Schönheitsideal ausmachte. Für Winkelmann war das Menschenbild geprägt durch "edle Einfalt und stille Größe". Edle Einfalt meint die Simplizität des behandelten Stoffes, stille Größe eine große Geisteshaltung. Das Verständnis der Tragödie ging auf Sokrates, der Epik auf Homer und der Politik auf die polis zurück.
Winkelmann war Verwalter der Kunstsammlung des Vatikans. Dadurch wurden antike Bilder in Rom zugänglich. Eine Italienreise wurde so zu einer Bildungsreise, um die Kunstschätze der Antike mit eigenen Augen rezipieren zu können.

Werke von Friedrich Schiller
Don Carlos (1787)
Wallenstein-Trilogie (1798/99)
Maria Stuart (1800)
Die Jungfrau von Orléans (1801)
Wilhelm Tell (1804)
Über die ästhetische Erziehung des Menschen
Die Räuber

Werke von Johann Wolfgang von Goethe
Iphigenie auf Tauris (1787)
Egmont (1788)
Torquato Tasso (1789)
Reineke Fuchs (1794)
Wilhelm Meisters Lehrjahre (1795/96)
Hermann und Dorothea (1798)
Faust I (1808)
Die Wahlverwandtschaften (1809)
West-östlicher Divan (1814/19)
Wilhelm Meisters Wanderjahre (1821)
Faust II (1832)
Aus meinem Leben Dichtung und Wahrheit

Kommentare:

  1. Sehr gute Zusammenfassung. *DaumenHoch*

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  2. Juhuuuu Herr Lehrer :D
    Hab mir hier ein paar Infos für mein Deutsch Abi auf meine Karteikarten geschrieben :D
    noch 2 Wochen *__*

    DANKE :D

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  3. Sehr gerne. Ich hoffe, es war eine kleine Hilfe.

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  4. Yaaaay :D Mein Thema fürs Deutsch Referat.! Danke:D !!!

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