Freitag, 15. Januar 2010

R.Maria Rilke: Papageien-Park (Gedicht)

Papageien-Park (R. Maria Rilke)


Unter türkischen Linden, die blühen, an Rasenrändern,

in leise von ihrem Heimweh geschaukelten Ständern

atmen die Ara und wissen von ihren Ländern,

die sich, auch wenn sie nicht hinsehn, nicht verändern.


Fremd im beschäftigten Grünen wie eine Parade,

zieren sie sich und fühlen sich selber zu schade,

und mit den kostbaren Schnäbeln aus Jaspis und Jade

kauen sie Graues, verschleudern es, finden es fade.


Unten klauben die duffen Tauben, was sie nicht mögen,

während sich oben die höhnischen Vögel verbeugen

zwischen den beiden fast leeren vergeudeten Trögen.


Aber dann wiegen sie wieder und schläfern und äugen,

spielen mit dunkelen Zungen, die gerne lögen,

zerstreut an den Fußfesselringen. Warten auf Zeugen.

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